Ich gehe gern auf die RS Vit,...

...weil wir einen schönen Pausenhof haben und weil wir alle freundlich zueinander sind. (Nina Zuber)

 


 

Interview mit Herrn Alexander Muthmann, von Sabrina Probst, 8e

 

1. Warum besuchen Sie heute (2. Mai 2018) die Realschule Viechtach?

Ich bin heute hier als Abgeordneter des Bayerischen Landtags und weil Bildungspolitik auch in diesem Gremium diskutiert wird. Digitalisierung in bayerischen Schulen ist immer wieder ein zentrales Thema. Ich verspreche mir mit meinen Besuchen Antworten auf Fragen wie zum Beispiel: Wie setzt man Digitalisierung richtig um? Was sagen die Schulen zu diesem Wandel? Wie sieht die Ausstattung an den Schulen aus und was müssen Lehrer dafür alles können? Ich finde, diese Fragen kann man am besten beantworten, wenn man mit Schulen und Schulleitern persönlich das Gespräch sucht.

2. Herr Muthmann, ist der Beruf Politiker Ihr Traumjob?

Ja, er ist schon ein spannender und ich mache das auch gerne. Alle diese Aufgaben haben irgendwie mit der Frage zu tun, wie man den Leuten helfen, den Staat organisieren kann, dass es den Menschen gut geht. Dabei fällt auf, dass es sehr viele unterschiedliche Erwartungen gibt, vor allem im Hinblick darauf, wie man ein gutes Bildungssystem erschaffen bzw. aufrechterhalten kann. Allerdings gibt es in der Politik natürlich auch unangenehme Dinge. Aber ich glaube, es gibt keinen Beruf, der nur Sonnenseiten hat und bei dem jeder Tag wunderbar ist.

Also ja, ich mache die Aufgabe jetzt als Abgeordneter gerne, auch aus Überzeugung und ich glaube, wenn wir uns anstrengen als Politiker insgesamt – und ich meine jetzt nicht nur Parteipolitik – dann wird das spürbar, dann tut das auch der Region gut und insofern mache ich das gerne.

3. Seit wann stand für Sie fest, dass Sie in die Politik gehen wollen?

Es gibt Politiker, die sich bereits zu ihren eigenen Schulzeiten einer Partei anschließen. Das war bei mir nicht der Fall. Ich bin erst relativ spät überhaupt in die Politik gegangen. Ich habe mich schon immer gern als Beamter und auch als Privatperson mit politischen Themen befasst, aber lange – und zum Teil heute auch noch – das Gefühl gehabt, dass ich mich einfach deshalb keiner Partei anschließen wollte, weil jede trotz ihrer Stärken auch Themenbereiche und Programmteile hat, mit denen ich mich nicht so gut identifizieren konnte. Ich glaube, es war 2008, als ich zum ersten Mal einer Partei beigetreten bin – und da war ich schon über 50.

Ich war bei den Freien Wählern und bin als Angehöriger dieser Partei auch in den Landtag gewählt worden. Letztes Jahr habe ich mich allerdings bei den Freien Wählern verabschiedet, da ich mit dem dortigen Parteichef zu viele Auseinandersetzungen hatte und wir uns bei zu vielen Sachfragen nicht einigen konnten.

Seit Herbst letzten Jahres bin ich nun bei der FDP und im Moment der Einzige dieser Partei im Bayerischen Landtag vertreten. Ich hoffe aber, dass sich dies mit den diesjährigen Landtagswahlen im Herbst vielleicht ändern wird.

4. Nun zu einem anderen Thema: Wie viel Schlaf haben Sie am Tag? Es heißt ja, dass unsere Bundeskanzlerin nur vier Stunden täglich bekommt…

Das stimmt und hat wahrscheinlich einfach mit dem unglaublichen Pensum an Arbeit zu tun, das sie absolvieren muss.

Bei mir ist es nicht so wild und mit vier Stunden Schlaf als Dauerzustand ließe auch bestimmt meine Leistungsfähigkeit sehr schnell nach. Also sechs bis sieben Stunden pro Nacht sollten es schon sein, damit es auch über einen längeren Zeitraum funktioniert. Und was ich gut kann und auch gerne mache ist „Powernapping“. Es gibt nichts Besseres, als zum Beispiel nach dem Mittagessen für zehn Minuten auf der Couch kurz einzudösen.

5.Haben Sie schon all Ihre Ziele erreicht oder soll’s noch höher hinaus?

Also, ich bin ja Jurist und war in Niederbayern beim Landratsamt tätig. Und wie überall, darf bzw. sollte man auch in der Politik nicht glauben, dass man jemals alle Ziele erreicht hat oder erreichen kann.

Ich hatte schon Erfolge, habe aber auch schon Wahlen verloren (und das tut weh, gar keine Frage), was auch eine Botschaft ist, die ich den Schülern gerne mitgeben möchte. Man sollte vom Leben nicht erwarten, dass man alles erreich kann, was man sich gerne wünscht und man sollte auch stets offen sein für einen „Plan B“. Sollte mal etwas nicht so funktionieren – im privaten wie auch beruflichen Bereich – muss man einfach überlegene, was man an der dadurch entstandenen Situation ändern könnte und häufig entwickeln sich Dinge neu oder anders, wenn man nach neuen Perspektiven sucht.

Ich habe schon viele Ziele erreicht, war auch mal nicht erfolgreich, bin aber im Großen und Ganzen mit dem, was ich mache und was ich schon geschafft habe, durchaus zufrieden, auch verbunden mit Berufswechseln und verschiedenen Aufgabenfeldern.

Bundeskanzler zu werden ist jetzt allerdings nicht mein Ziel. Ich bin jetzt schon zehn Jahre Mitglied einer Oppositionspartei und das ist in einer Demokratie auch wichtig. Man beobachtet die Regierenden und kritisiert auch, wenn es etwas zu verbessern gibt oder man seine eigenen Vorstellungen durchsetzen möchte.

Jedoch ist der Beruf Oppositionspolitiker zu sein auch ein solcher, den ich zunächst keinem Schüler als Erstberufswunsch empfehlen würde.

6. Haben Sie Freizeit oder haben Sie alles für die Politik aufgegeben?

Nein. Ganz bewusst nicht. Das ist etwas, das ich verteidige. Ich habe schon immer für mich selbst ein bisschen Sport getrieben und mache das auch heute noch. Auch so ein Hobby wie die Musik, die ja hier an der Realschule auf ganz unterschiedlichste Weise ausgeübt wird, darf man für die Politik auf gar keinen Fall aufgeben.

Was ein bisschen unter den vielen Wochenendterminen, die mein Beruf mit sich bringt, leidet, ist die Pflege von Freundschaften. Diese treffen sich meistens am Wochenende und man selbst kann nur sehr selten bei solchen Abenden dabei sein.

Aber die Freunde brauchen ebenso wie die Familie einfach Verständnis. Nur dann kann so etwas auf Dauer klappen.

Ich sage immer, dass jeder – egal ob Politiker oder nicht – selbst wissen muss, wie viel Kraft er in seinen Beruf stecken kann und will. Ich habe zwei erwachsene Kinder, die ebenfalls Juristen geworden sind. Insofern habe ich als abschreckendes Beispiel anscheinend nicht ausgereicht.

7. Was wären mögliche Gründe für Sie, die Politik aufzugeben?

Wenn ich keine Freude mehr daran hätte, müsste ich sofort aufhören. Ansonsten habe ich die Vorstellung, dass es kein Leben ohne Politik gäbe. Natürlich mache ich sehr gerne Politik und will an dieser Stelle betonen, dass ich meinen Beruf natürlich mit der nötigen Ernsthaftigkeit betreibe. Aber grundsätzlich könnte ich mir auch andere interessante Tätigkeiten vorstellen.

8. Wenn Sie jetzt noch einmal ganz vorne anfangen müssten, in welche Richtung ginge dann Ihr Beruf? Immer noch Politik?

Ja. Ich bin mit vielen meiner Entscheidungen, die ich getroffen habe, rückblickend einverstanden. Die grundlegenden Wege, erst als Jurist und dann als Politiker zu arbeiten, stehen nicht in Frage und ich bereue keine davon. Natürlich hat man mit zunehmendem Alter vielleicht einen etwas anderen Blick auf die ein oder andere Entscheidung, aber insgesamt würde ich schon wieder diese Richtung wählen.

Wenn nicht, wäre es ja furchtbar, denn sonst hätte ich ja jetzt dreißig Jahre lang in die falsche Richtung gearbeitet.

 

Vielen Dank, Herr Muthmann, für dieses aufschlussreiche Interview. Wir wünschen Ihnen für Ihren weiteren beruflichen sowie privaten Weg alles Gute und drücken Ihnen die Daumen für die anstehenden Landtagswahlen.

 


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